Beobachtung und Auswertung der Sofi vom 20.3.2015

 

Mit großer Erwartung blickten wir dem 20.März 2015 entgegen:

An diesem Tag sollte eine partielle Sonnenfinsternis stattfinden, die im Raum Braunschweig / Wolfenbüttel immerhin zu einem Verfinsterungsgrad von ca. 77% führen sollte.

Zeitplan der Finsternis (genau für Braunschweig):

Beginn           :     9:32 MEZ
Maximum        :   10:43 MEZ, maximaler Bedeckungsgrad ca. 77%
Ende             :   11:57 MEZ

Der zu erwartende Finsternisverlauf  (aus www.calsky.com) :

 

  _______9:35 + 3 Min._________________10:15________________________10:43____________________11:15____________________11:54 - 3 Min._____

 

Während die vergangenen Finsternisereignisse von schlechtem Wetter in unserer Region begleitet waren, hatten wir dieses Mal Glück. Der Himmel präsentierte sich am Vormittag in einem strahlenden Blau, so dass einer Verfolgung der Sofi nichts mehr im Weg stehen konnte.
Unser Beobachtungsort war die Feldscheune an der L495 zwischen Autobahnabfahrt WF-Süd  und Halchter. Im Vorfeld hatten wir durch Pressemitteilung auf diesen Ort und Termin aufmerksam gemacht und die interessierte Öffentlichkeit eingeladen. Im Lauf der Finsternis fanden sich auch einige Besucher ein.  In der Wolfenbütteler Ausgabe der BZ erschien einen Tag später der folgende Bericht:

 

Quelle: Braunschweiger Zeitung (Ausgabe Wolfenbüttel)  vom  21.3.2015

 

Ab 8:45 Uhr versammelten sich die PEGASUS-Mitglieder und bauten ihre Beobachtungsinstrumente auf. Die Sonne sollte im Weißlicht und im H-Alpha-Licht mit entsprechenden Fernrohren beobachtet werden. Fotografisch sollte die Finsternis u.a. auch mit Teleobjektiven bewehrte DSLR-Kameras dokumentiert werden. Klar, dass alle eingesetzten Optiken mit entsprechenden Filtern ausgestattet waren.
Daneben wurde auch unser "Solarscope" bereitgestellt, das die Sonne gefahrlos auf eine abgeschattete Fläche projeziert und damit vielen Beobachtern gleichzeitig einen Blick auf die Sonne ermöglicht. Und natürlich stellte PEGASUS den Gästen auch Sofi-Brillen zur Verfügung, um die Finsternis zu verfolgen.

 

Unsere Beobachtungsergebnisse:

                 Fotos und Bildgestaltung:    Bernd Keck 

Bildkomposit, f=300mm, Bl. 8, Bel.Zeit 1/500 sec, ISO 100, Uhrzeit des ersten Bildes: 10:15 Uhr, danach alle 10 Minuten, Bildlauf von links nach rechts

 

 

                 Foto:  Henning Barnstorf

Sonne im H-Alpha-Licht zur Zeit des Finsternismaximums (ca. 10:44 Uhr)
Aufnahmedaten: Lunt LS60 H-Alpha (60mm/500mm), DSLR Pentax K70 mit Barlow-Brennweitenverlängerung  auf 1000mm, Belicht.zeit: 1,5 sec.

 

 

ANIMATIONEN:

Weißlicht:

 Fotos und Animation: Peter Volkmer
Daten der Einzelaufnahmen:  DSLR EOS 600D, f=300mm, ISO 200, Bl. 5,5 , Bel.zeit: 1/800 sec
Kamera wurde der Sonne nachgeführt
Ausrichtung: oberer Bildrand ist geographisch NORD

 

H-Alpha-Licht:  

                Fotos und Animation: Henning Barnstorf
Aufnahmedaten:  Lunt LS60 H-Alpha (60mm/500mm), DSLR Pentax K70 mit Barlow-Brennweitenverlängerung  auf 1000mm
Fernrohr/Kamera wurde der Sonne nachgeführt
Ausrichtung:  Drehung der Mondbahn um ca. 30° gegenüber der Weißlicht-Animation

 

Hinweis zu den Animationen:
Wegen einer unterschiedlichen Ausrichtung der aufnehmenden Kamera gegenüber dem Fernrohr bzw. der Montierung ist der
Bahnverlauf des Mondes in beiden Animationen unterschiedlich. Die gezeigten Uhrzeiten können ein wenig von dem prognostizierten Finsternisverlauf abweichen, weil die Uhr in der Kamera nicht vorher genau abgeglichen wurde.

Am 20.3.2015 war auf der Sonne nur ein Sonnenfleck zu sehen. Er wurde um ca. 10:24 Uhr bedeckt und um ca. 11:38 Uhr wieder freigegeben.

 

Auswertung der Weißlicht-Bilder:

Die Einzelbilder der gezeigten Weißlicht-Animation wurden gewonnen, indem die Kamera auf einer parallaktischen Montierung
(die etwa parallel zur Erdachse ausgerichtet war) montiert und der Sonnenbewegung nachgeführt wurde. Durch die besondere Montierung ist gewährleistet, dass der obere Bildrand eines jeden Fotos die geographische Nordrichtung ist.  

Eine besondere Darstellung des Finsternisverlaufs erhält man, wenn die einzelnen Bilder zu einem Kompositbild überlagert werden. In diesem Kompositbild ist gut der Bahnverlauf des Mondes zu verfolgen und es ist leicht erkennbar, welches Gebiet (welcher Kreissektor) von dem Mond NICHT bedeckt wurde:

 

Foto und Darstellung: Peter Volkmer
Bewegung des Mondes über die Sonnenscheibe, Erklärung siehe Text

 

Am 20. März 2015 war um 23:45 Uhr MEZ zudem Frühlingsanfang, d.h. die Sonne  Steht im Frühlingspunkt und überquert den Himmelsäquator Richtung Norden. Die Ekliptik (die scheinbare Sonnenbahn) schneidet  im Frühlingspunkt  den Himmelsäquator  mit einem Winkel von 23° (der Erdachsenneigung). Zum Zeitpunkt der (partiellen) Sonnenfinsternis ist die Sonne nur wenige Stunden vom Frühlingspunkt entfernt.

Der Mond bewegt sich ebenfalls auf der Ekliptik, allerdings ist seine Bahn um 5° gegen die Ekliptik geneigt. Bei dieser Sonnenfinsternis befindet sich der Mond im absteigenden Knoten, d.h. der Mond wechselt von der ekliptikalen Nord- auf die ekliptikale Südseite. Wertet man die obige Aufnahme der überlagerten Mondbilder vor der Sonnenscheibe aus, so müsste theoretisch für
den Winkel zwischen Mondbahn und Himmelsäquator (dem horizontalen Bildrand im obigen Foto) ein Winkel von 23°-5° = 18° gemessen werden.

Tatsächlich ergibt eine Vermessung des obigen Bildes einen Winkel von 23°. Diese Abweichung ist aber damit zu erklären, dass
die (mobile) parallaktische Montierung  nicht ganz genau erdachsenparallel ausgerichtet wurde. Trotzdem ist das Ergebnis aber bemerkenswert!

 

Impressionen der Beobachtung: 

Hier einige Bildbeispiele unserer Beobachtung.