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Beobachtung am 3./4. Juli 2014

 

In der Nacht vom 3.Juli auf den 4.Juli 2014 bot sich in unseren Breiten ein relativ seltenes atmosphärisches Schauspiel - nämlich die Beobachtung leuchtender Nachtwolken, auch NLCs genannt (NLC  =  Nocti Lucent Clouds). Dieses Phänomen ist in den Sommermonaten häufiger
in Skandinavien zu sehen (bzw. in nördlichen Breiten des Nordsommers oder südlichen Breiten des Südsommers).

 Leuchtende Nachtwolken bilden sich in einer Höhe von ca. 80 km, während sich unser Wettergeschehen in unseren Breiten nur bis Höhen von maximal 12 km in der Troposphäre abspielt.
Voraussetzung für die Bildung von NLCs ist, dass Wasserdampfmoleküle aus der Troposphäre
in die Startosphäre gelangen. Dort lagern sie sich an Kondensationskeimen an und bilden Eiskristalle ähnlich den Cirruswolken in der Troposphäre.

Kondensationskeime sind in diesen Startosphärenschichten immer vorhanden durch das Eindringen von Meteoren in die Atmosphäre. Beim Verglühen verbleiben dann Staubreste sowie Gasionen in den Schichten, die Kondensationskeime.

Da im Sommer in nördlichen Breiten die Sonne auch um Mitternacht nur wenige Grad unter dem Horizont steht, erreichen die Sonnenstrahlen diese Wolkenbildung in Höhen von 80 km und beleuchten sie, wodurch sie dem Beobachter auf der Erde erst sichtbar werden. Um die Sommersonnenwende sinkt die Sonne um Mitternacht in unseren Breiten (52° n.Br.) nur um 15°
unter den Horizont (zum Vergleich: astronomische Dämmerung erst bei 18° Sonnenstand unter dem Horizont, bürgerliche Dämmerung bei 12° Sonnenstand unter dem Horizont).

Unser Mitglied Peter Volkmer machte während einer Beobachtungssession südlich der Asse die zwischen  22:56 Uhr MESZ und 0:15 Uhr MESZ die folgenden Aufnahmen (Blickrichtung Norden):

 

 Abbildung 1:   3.7.2014, 23:08 Uhr MESZ, wellenförmige Strukturen bis in ca 30° Höhe über dem Horizont;
                     Kamera: EOS 600D, f=50mm, ISO 800,  Belichtungszeit: 1/2,5 "
                     Blickrichtung:  N; als heller Punkt am Himmel ist im linken Teil der Stern Capella des
                     Sternbildes Fuhrmann zu sehen.

 

 


Abbildung 2:   3.7.2014, 23:10 Uhr MESZ, wellenförmige Strukturen bis in ca 30° Höhe über dem Horizont;
                     Kamera: EOS 600D, f=50mm, ISO 800,  Belichtungszeit: 1/2,5 ",
                     Blickrichtung:  NNW
                     Kamera parallaktisch montiert und nachgeführt

 

Abbildung 3:   Vergleichende Betrachtung
                     links: 3.7.2014, 23:07 Uhr MESZ, rechts:  4.7.2014, 0:15 Uhr MESZ, Blickrichtung Norden.
                     Kamera: EOS 600D, f=35mm, ISO 800,  Belichtungszeit: 1/2,5 " (links) und 8" (rechts).